MarkusLukasGemeinde
 

Neuigkeiten

„Wir öffnen Herzen und Türen“

Ins Pfarrhaus an der Lukaskirche ziehen rund 20 Menschen

„Die Bilder, Nachrichten und Aussichten, die uns aus der Ukraine erreichen, sind fürchterlich“, sagt Dekan Ralph Hartmann. „Da ist es gut, wenn wir etwas tun und die Not lindern können.“ Seit Beginn des Krieges zeigen sich die Gemeinden verbunden und solidarisch mit den Menschen in der Ukraine - durch die Beteiligung an der Friedenskundgebung, mit Gebeten und Kollekten, sowie mit konkreten Spendenaktionen. „Auch in den kommenden Wochen erwarten wir in Mannheim eine beträchtliche Zahl von Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen sind. Für ihre Unterbringung und Begleitung stellen wir unsere Infrastruktur und Hilfe zur Verfügung“, so Hartmann. Dabei könne die Kirche auf langjährig gewachsene Verbindungen und auf die Erfahrungen von 2015 bauen. Mit ihren starken Netzwerken und Strukturen könne sie Kräfte, Möglichkeiten und Know-How bündeln. Beispielhaft dafür steht nun das Pfarrhaus an der Lukaskirche im Stadtteil Almenhof, in dem in Kürze rund 20 Menschen aus der Ukraine unterkommen werden. Sie kamen über eine polnische Partnergemeinde und dank der Initiative eines ehrenamtlichen Helfers nach Mannheim

3 Impulse für 1 Lösung

„Wir öffnen unser Herzen und wir öffnen Türen“, fasst Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner (Markusgemeinde) die Hilfsaktion zusammen, die in kürzester Zeit in der evangelischen Region Almenhof-Lindenhof-Neckarau entstanden ist. Das Bedürfnis, in Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu helfen und die Möglichkeit, konkret zu handeln, finden hier ihren konkreten Ausdruck. Dazu kamen drei Momente zusammen: Pfarrer Günther Welker, der nach seiner Ruhestandsetzung aus dem Pfarrhaus an der Lukaskirche auszog, gab den Impuls, dort Kriegsflüchtlinge unterzubringen. Die langjährige Partnerschaft der Matthäusgemeinde (Neckarau) mit der polnischen Gemeinde in Bielsko-Biala (im Süden Polens, rund 400 Kilometer entfernt von Lwiw) sorgte für direkte Verbindungen zu Betroffenen. Und ein ehrenamtlicher Helfer, der der Matthäusgemeinde seit seiner Jugend verbunden ist, bot an, Fahrten zur evangelischen Partnergemeinde in Polen zu machen, die zum Scharnier zwischen der Ukraine und Mannheim wurde. Umgeben sind diese drei Impulse von einer großen Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung.

„Ich tue das, weil ich umgekehrt auch auf Hilfe angewiesen wäre“

Kai Michelbach, der in Neckarau aufgewachsen und der dortigen Matthäusgemeinde verbunden ist, kam im Februar kurz nach Kriegsbeginn auf Pfarrerin Regina Bauer zu mit dem Anliegen, konkret und sinnvoll im Krisengebiet zu helfen. Die Gemeinde nutzte dazu die Verbindung zu ihrer langjährigen Partnergemeinde in Polen: Die dortigen Kolleg:innen meldeten als dringenden Bedarf Sachspenden für Kinder. Mit einer Spendenaktion wurden diese gesammelt und von Kai Michelbach und Helfern zur Partnergemeinde nach Bielsko-Biala gefahren. Eine zweite Tour in
der zweiten Märzhälfte brachte weitere Hilfsgüter zur polnischen Partnergemeinde, die diese dann weiterverteilte. Auf der Rückfahrt nahmen die Helfer nun zunächst neun Menschen mit nach Mannheim, die nun dort in der Gemeinde unterkommen. Weitere werden folgen. Die Bilder aus der Ukraine aufwühlend, das Kriegsgeschehen ausschließlich zerstörerisch, Leid und Not der fliehenden Menschen kaum zu ermessen –Kai Michelbach benennt seine Motivation zu helfen ganz klar: „Wenn meine Familie in eine Situation käme, dass Frauen und Kinder vor einem Krieg fliehen müssen, bin ich darauf angewiesen, dass andere Menschen ihnen Hilfe anbieten“. Deshalb, so Michelbach, helfe nun er den Menschen aus der Ukraine. Er organisierte die Transporte nach Polen, machte beide Touren und kam mit den Menschen aus dem Kriegsgebiet nach Mannheim.

Wohnraum bieten und Begleitung im Alltag

In Kürze ziehen rund 20 Frauen und Kinder aus der Ukraine in das Pfarrhaus. Dort stehen ihnen zwei Wohnungen sowie ehemalige Gemeinderäume zur Verfügung: Auf fünf Halbgeschosse verteilen sind insgesamt acht Schlafräume, drei Küchen sowie drei große Gemeinderäume, die für Gemeinschaftliches genutzt werden können. Die Möbel, berichtet Pfarrerin Regina Bauer von der Matthäusgemeinde, bei der alle Fäden dieser Hilfsaktion zusammenlaufen, seien von Menschen
aus der nahen und weiteren Umgebung gespendet worden. „Wir hatten zu einem Informationsabend geladen, um konkrete Hilfe und Begleitung zu organisieren“, berichtet sie. 50 Interessierte aus der Region kamen und boten ihre Zeit, ihr Können und auch Sachspenden an. „Wir sind überwältigt von der Bereitschaft der Leute, sich konkret mit ihrem Können und ihrer Zeit einzubringen, sei es als Dolmetscher:innen oder auch als Freizeit- und Behördenbegleiter:innen“, sagt Pfarrerin Bauer.

„Die Menschen brauchen jetzt erst einmal Zeit und Ruhe“

Die erste Zeit nach dem Eintreffen und Ankommen in Mannheim, sagt Pfarrerin Regina Bauer, sei geprägt von Ruhebedürfnis und Organisatorischem. „Uns ist wichtig, den Menschen Ruhe zu bieten, damit sie nach ihren schrecklichen Erlebnissen erst einmal zu sich kommen können“. Die Gemeinden planen zugleich die nächsten Schritte, damit die Menschen gut ankommen können. „Wir sind helfend da, bieten Möglichkeiten und Strukturen an“, wie beispielsweise die Betreuung
der Kinder, die Möglichkeit, in der Kirche Gottesdienste zu feiern oder aber auch, selbst aktiv zu
sein und ein Begegnungscafé mit aufzubauen. „Wir orientieren uns an dem, was die Menschen
brauchen“, so Pfarrerin Bauer.

Hilfen und der Evangelischen Kirche in Mannheim

Der Stadtkirchenbezirk Mannheim bringt sich in enger Abstimmung mit der Stadt Mannheim und
mit anderen helfenden Gruppen ein, wobei die eigenen Beratungsangebote von Psychologischer
Beratungsstelle und Diakonischem Werk mit eingeplant sein werden. Die Angebote und Aktivitäten koordiniert Stadtjugendpfarrer Oliver Seel. Begleitet von Kollekten in Gottesdiensten, Friedensgebeten und Spendenaktionen gibt es bereits Vielfältiges: So beispielsweise eine Initiative in Wallstadt, wo die Petrusgemeinde eine Sammelaktion organisierte. Im Stadtteil Lindenhof wird sich die Johannisgemeinde bei Angeboten für die Menschen in der nahe gelegenen Jugendherberge einbringen. Mit der ukrainischen Gemeinde, die der evangelischen Feudenheimgemeinde verbunden ist, ergeben sich Kontaktmöglichkeiten. Und die Kirchenverwaltung prüft den eigenen Gebäudebestand auf der Suche nach weiterem Wohnraum für Geflüchtete. „Wir beten für den Frieden und wir schaffen konkret Möglichkeiten für ein friedliches Miteinander“, sagt Dekan Ralph Hartmann.

Zurück